Große Gefühle I und II
Mischtechnik (je A4: 21 x 29,7 cm);
je auf Karton 30 x 40 cm punktweise geklebt
Preis: 900 Euro
Die Bilder entstammen der gleichnamigen Serie aus dem Jahr 2002. Wie in vielen seiner Werke arbeitet er auch hier mit flächigen und linearen Elementen, die übereinander gelagert und ineinander verwoben wurden. Die Linien tendieren zu Verdichtungen und langen, dünnen Ausläufern. Sie erinnern an Nervenfasern, aber auch an Zahlen, Schriftzeichen oder Symbole. Auch die flächigen, in diesem Fall rotorangen Bildelemente lassen gegenständliche Assoziationen zu. Mitunter denkt man auch an Höhlenzeichnungen, die mit geheimnisvollen Symbolen bemalt sind.
Der Künstler wurde 1947 in Altmannshausen geboren. Seine künstlerische Ausbildung absolvierte er an der Werkkunstschule Aachen und an der Akademie der Bildenden Künste Stuttgart. Er lebt heute als freischaffender Künstler in Lindach, in Unterfranken. Franz Kochseder macht regelmäßig Ausstellungen. Er wurde durch verschiedene Stipendien ausgezeichnet und erhielt 1983 den Förderpreis für Grafik der Landeshauptstadt München. Grundthema von Franz Kochseders Bildern ist die Zeit. In Serien setzt er sich mehrere Monate mit passenden Inhalten auseinander.
Das erste Blatt – mit der vogelartigen, fast stürzenden Figur über einer Art Balustrade oder Architekturfragment – wirkt wie eine poetische Vision zwischen Traum, Bewegung und Bedrohung. Die Technik dürfte eine Radierung bzw. Mischtechnik mit Aquatinta sein. Typisch für Kochseder ist hier die nervöse, vibrierende Linienführung und die Atmosphäre des Übergangs oder Schwebens. Das Blatt erinnert ein wenig an symbolistische oder surreal anmutende Bildwelten, ohne illustrativ zu werden. Gerade diese rätselhafte Offenheit macht den Reiz aus.
Die Grafik wirkt wie eine Vision zwischen Naturform und innerem Bildraum. Eine vogel- oder körperartige Gestalt schwebt in einem offenen, kaum definierbaren Raum und scheint sich zugleich aufzulösen und neu zu bilden. Typisch für Franz Kochseder ist dabei die spannungsvolle Verbindung von organischer Bewegung und zeichnerischer Verdichtung: Linien, Schraffuren und dunkle Flächen erzeugen weniger eine konkrete Erzählung als vielmehr einen Zustand zwischen Erinnerung, Traum und Verwandlung.
Die horizontale Struktur im unteren Bereich gibt dem Blatt Halt, ohne eindeutig lesbar zu werden. Gerade diese Offenheit macht die Arbeit interessant. Das Bild verweigert eine feste Deutung und lebt stattdessen von Atmosphäre, Rhythmus und Bewegung. Die Figur erscheint nicht ruhig oder heroisch, sondern verletzlich und in einen Prozess des Übergangs eingebunden.
Formal beeindruckt besonders die feine grafische Arbeit: die nervöse Linienführung, die Verdichtung von Hell und Dunkel sowie das Wechselspiel zwischen kontrollierter Struktur und freier Geste. Dadurch entsteht eine stille, leicht melancholische Spannung, wie sie für Kochseders Arbeiten charakteristisch ist.